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Vor 140 Jahren: Eröffnung der Laugenhütte

 

Wenn man von der Laugenspitze einige Gehminuten zum westlichen Bergkammhinuntersteigt, fällt einem kurz unterhalb des Gipfels rechts neben dem Steig eine ca. 4x6 m große Fläche auf, an deren Hangseite Reste einer Stützmauer sichtbar sind. Links vom Steig liegen einige Sockelsteine. Es handelt sich hier um den Standort der ehemaligen Laugenhütte, die von derSektion Meran des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins (D&ÖAV) 1875 errichtet und am 09. August 1875 eröffnet worden war. Die Sektion Meran war damals mit 68 Mitgliedern die stärkste in Tirol. Die „Meraner Zeitung“ berichtet in ihrer Ausgabe Nr. 66 vom 18. August 1875:
„Den 9.ds. wurde die Unterkunftshütte auf dem Laugen Namens der Sektion Meran des deutschen und österreichischen Alpenvereins durch die Herren Baumgartner, Fehrman, Hölzl sen. und jun., Dr. Setrari, Dr. Mazegger jun. eröffnet und hiemit dem Verkehre der Touristen übergeben. Die Sektion, die sich schon im vorigen Jahre durch die Errichtung der Hirzerhütte und die Herstellung eines Weges auf dem Laugen um die gemeinsamen Interessen wohl verdient gemacht hat, begann im Laufe dieses Sommers mit der Herstellung der Laugenhütte…Der Aufstieg erfolgt am besten von Mitterbad in Ulten aus, dessen Besitzer Herr Anton Kirchlechner treffliche Unterkunft und Verpflegung bietet.
Die Hütte bietet für die Nacht 4 bis 6 Personen bequeme Unterkunft und mittels des Petroleum-Kochapparates kann man in 5 Minuten siedendes Wasser haben…Der Abstieg erfolge über Unser Frau im Walde…von dort führt ein guter Weg über den Gampen nach Lana…Wer die Tour zu Pferde machen will, besorge sich ein gutes, starkes Reitpferd in Meran oder Lana, da in Mitterbad gegenwärtig keines zu haben ist.“
Bei der Eröffnung waren auch Mitglieder der „Societá Alpina Italiana“ von Trient anwesend. Interessantes Detail am Rande: in einem Schreiben der Sektionsleitung an die Zentrale über die Eröffnung der Laugenhütte heißt es: „Von eigentlichen Feierlichkeiten mußten wir nach den traurigen Erfahrungen bei Eröffnung der Hirzer Hütte, wo die ganze pfäffische Meute uns mit ihrem schmutzigen Geifer übergoss, absehen und so beschränkten wir uns auf eine stille Feier im Kreise von Gleichgesinnten.“
Der Meraner Arzt Dr. Bernhard Mazegger jun., Vorsitzender der Sektion, bezeichnete 1874 den Laugen wegen seiner einmaligen Lage als Aussichtspunkt als „Rigi Tirols“(die Rigi ist ein beliebter Aussichtsberg zwischen dem Vierwaldstätter-, dem Zuger- und dem Lauerzersee in der Schweiz).
Jeweils ein Schlüssel für die Hütte waren beim Vereinskassier Ellmenreich in der Poetzelberg’schen Buchhandlung, Meran, beim Buchhändler Fridolin Plant, Meran, in Mitterbad in Ulten beim Besitzer Anton Kirchlechner und beim Pfarrer Perathoner in Unser Frau im Walde hinterlegt. Wollte man also in der Hütte übernachten, musste man sich den Schlüssel an einem der genannten Orte abholen. Nichtmitglieder mussten im Voraus 30 Kreuzer, Mitglieder des Vereins 20 Kreuzer für die Benützung der Hütte bezahlen.
Erbaut wurde die Hütte im Auftrag der Sektion von Anton Kirchlechner, dem Besitzer des Mitterbades in Ulten, von wo ein Aufstieg zum Laugen hinaufführte. Den Baugrund kaufte die Sektion Meran am 16. November 1874 von den Alpeigentümern der Fraktion „Oberer“ der Gemeinde Unsere Frau im Walde, vertreten durch den Gemeindevorsteher Josef Weiß, um den Preis von 10 fl.(Gulden).
Im Kaufvertrag wurde festgeschrieben, dass im Falle der Auflösung der Sektion Meran das Grundstück samt der darauf errichteten Hütte dem Gesamtverein, bei Auflösung des D&ÖAV den früheren Grundeigentümern bzw. deren Rechtsnachfolgern zufallen solle. Registriert wurde der Kaufvertrag beim Bezirksgericht Fondo am 24. November 1874.
Die Kosten der Hütte samt Einrichtung beliefen sich auf 400 Gulden: 200 fl. steuerte der Gesamtverein, 200 fl. die Sektion Meran bei.
Die auf einem Unterbau aus Steinen errichtete Holzhütte bestand aus einem mittelgroßen getäfelten Zimmer, hatte eine Tür nach Osten und ein Fenster nach Süden und bot 4 bis 6 Personen bequeme Unterkunft.
Ausgestattet war sie mit 4 Strohsäcken, 4 wollenen Decken, einem Petroleum-Kochapparat mit dazu passendem Kochgeschirr und Gerätschaften. Petroleum und Trinkwasser mussten die Führer selbst hinauftragen. Laut der in der Hütte angebrachten Hüttenordnung mussten vor dem Verlassen der Hütte die verwendeten Kochgeräte gereinigt und alles wieder in Ordnung gebracht werden. Der Hüttenschlüssel musste dort wieder abgegeben werden, wo man ihn abgeholt hatte.
Gegen Brand war die Hütte bei der „Unione Adriatica di Sicurtà“ in Triest mit 300 fl versichert.
Für die unten angeführten Jahre scheinen folgende Besucherzahlen auf:
1876 50 1883 40
1877 80 1884 54
1878 30 1885 65
1879 32 1886 60
1880 30 1887 40
1881 28 1889 50
1882 36
Immer wieder wurden Einrichtungsgegenstände und Holzteile der Hütte entwendet. Fast jährlich musste die Sektion Reparaturarbeiten durchführen und die entwendeten Decken und Holzpritschen ersetzen. Man war es allmählich satt, die Hütte weiterhin zu betreuen und weitere Instandhaltungsarbeiten durchzuführen. Die Diebe und Autoren der Vandalenakte konnten leider nie ausgeforscht werden, und so ließ man die Hütte allmählich verfallen. In einem Brief der Sektion an den Zentralausschuss vom 3. Oktober 1904 wird nochmals über das beschädigte Schloss und abgebrochene Schlüssel Klage geführt: „Wir senden hiemit das Schloss der Laugenhütte, den Schlüssel Nr. 638 des Führers Götsch (abgebrochen) und den verbogenen Schlüssel N. 658. Der Umstand, dass das Schloss tatsächlich kaum zu schließen ist, sowie dass sich an allen drei heuer am gleichen Schloss gebrochenen Schlüsseln nach Ansicht des Schlossers alte Bruchstellen befinden, lässt auf mangelhafte Konstruktion schließen. Zweimal musste unsere Hütte vom eigens beorderten Handwerker erbrochen werden, um das Schloss von innen abnehmen zu können, jetzt ist die Hütte nur provisorisch verschlossen. Wir bitten deshalb uns baldmöglichst Ersatz für die Schlüssel und das gut reparierte Schloss zukommen zu lassen“.
Bei der Hauptversammlung der Sektion Meran im April 1911 wurde die Laugenhütte nochmals erwähnt: Bergführer Götsch teilte mit, dass er die Hütte vor Kurzem aufgebrochen und beraubt vorgefunden habe, es seien die Wolldecken gestohlen worden. 
1920 schreibt der Vorsitzende der Sektion, Dr. Otto von Sölder: „Die Laugenhütte war seit ihrer Erbauung fortgesetzt ein Opfer der Beraubungen. Nach wiederholten Instandsetzungen und kostspieligen Ergänzungen der Einrichtung kam die Sektion zur Überzeugung, dass jedes Opfer umsonst sei. So steht heute der Holzbau der Laugenhütte dem Verfall preisgegeben, dem Einsturz nahe, den weidenden Nonsberger Schafen ein Unterstand“. 
Andreas Folie

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