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Hirzer Hütte auf den sogenannten Tallner Gampen

Die im November 1870 gegründete Sektion Meran im Deutschen und Österreichischen Alpenverein fasste 1871, also bereits im ersten Jahr der Vereinstätigkeit den Beschluss, einen Steig auf den Hirzer anzulegen, um diesen Berg „leicht und gefahrlos“ besteigen zu können. Wegen des langen Anstiegs wurde die Errichtung einer Unterkunftshütte ins Auge gefasst. Einen idealen Platz dazu fand man auf den sogenannten Tallner Gampen, wo bereits eine einfache Holzhütte stand.

Der Grund, auf dem die Unterkunftshütte errichtet werden sollte, gehörte dem Tallhofbauer Johann Raffl aus Prenn/Obertall. Nach entsprechenden Verhandlungen zwischen der Sektion Meran und dem Grundbesitzer wurde am 26. August 1873 der Überlassungsvertrag abgeschlossen. Für die Sektion Meran unterzeichneten Alois Steiner, Villabesitzer in Obermais, und Franz Höllrigl, Arzt in Schenna, den Kaufvertrag. Der 15 Klafter große Grund ging zu einem Preis von 12 fl (Gulden österreichischer Währung) in den Besitz der Sektion über. Zweck des Kaufes war laut Vertrag die Errichtung einer Hütte. Interessant ist folgender Zusatz im Kaufvertrag: „…ferner wird noch beigesetzt, dass wenn keine Alpenmitglieder mehr sind, die Hütte nicht verkauft werden darf, sondern an den Eigentümer der Wiese Johann Raffl zurückfällt, unbekümmert ob eine Sektion Meran besteht oder nicht“.

Der Lauf der Geschichte nahm eine andere Wendung. In den Sommermonate 1873 und 1874 wurde die Hütte als massiver Steinbau errichtet. Sie bot anfangs 8 Personen Platz und war mit Strohsäcken, Decken und einem Petroleumkochapparat ausgestattet. Ein Heulager auf dem Dachboden kam später dazu. Die Kosten betrugen 450 fl. Davon spendete Franz Graf von Meran 300 fl, die restlichen 150 fl mussten von der Sektion bereitgestellt werden. Franz Graf von Meran, Herr auf Schloss Schenna, war der Sohn von Erzherzog Johann von Tirol und hatte von seinem Vater die Liebe zu Tirol und seinen Bergen geerbt. Die Hirzer Hütte war die erste auf Südtiroler Boden errichtete Schutzhütte des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Am 5. Juli 1874 wurde die Hütte feierlich eröffnet. Die Teilnehmer an der Eröffnung trafen sich um 5.00 Uhr beim Brunnerwirt in Schenna und brachen dort nach dem gemeinsamen Frühstück nach Videgg auf, von wo sie zur Tallner Alm wanderten. Über die Eröffnung berichtete die Meraner Zeitung am 8. Juli 1874: „Die Eröffnung der Hirzerhütte fand am 5. d. M. unter reger Beteiligung in feierlicher Weise statt. Punkt zwölf Uhr brachte der Vertreter des Meraner Alpenvereins ein dreifaches Hoch auf Herrn Graf von Meran als Spender des bedeutendsten Beitrages zum Bau der Hütte aus, in welches sämtliche Anwesenden, 40 bis 50 an der Zahl, freudig einstimmten. Pöllersalven zeigten hierauf den Beginn des Festschießens an und nahm eine für diese Höhe große Anzahl von Schützen daran teil. Es gewährte einen wirklich herrlichen Anblick, von allen Seiten Trupps von Touristen und Schützen unter Gesängen und bekannten Jodlern anrücken zu sehen. Um 2 Uhr begann die großartige Knödelparthie, welche unter Direktion des bekannten Bergführers Gili und Mitwirkung einiger Kunstdilettanten glücklich zu Stande gebracht wurde und allen Hungernden einen Beweis der hohen Kochkunst des bekannten Fremdenführers lieferte. Das Fest verlief in fröhlichster Stimmung, ein heiterer Tag begünstigte das Unternehmen und jeder dachte dankbarst des Spenders, da eine so treffliche Unterkunft vor oder nach der schwierigen und anstrengenden Besteigung des Hirzers dem ermüdeten Touristen gewiß eine große Annehmlichkeit bietet. Durch eine noch im Laufe dieses Sommers beabsichtigte Erweiterung durch einen Aufbau der Hütte soll eine gleichzeitige Unterkunft von ungefähr 20 Personen ermöglicht werden. Ganz ungetrübt scheint aber die Eröffnungsfeier nicht verlaufen zu sein! Über die Eröffnungsfeier der Laugenhütte im darauffolgenden Jahr (9 August 1875) berichtet nämlich die Sektionsleitung an den Hauptausschuss des Alpenvereins: „Von eigentlichen Feierlichkeiten mußten wir nach den traurigen Erfahrungen bei Eröffnung der Hirzer Hütte, wo die ganze pfäffische Meute uns mit ihrem schmutzigen Geifer übergoss, absehen und so beschränkten wir uns auf eine stille Feier im Kreise von Gleichgesinnten“. Die liberal-freiheitliche Gesinnung der Alpenvereinsmitglieder und der Zustrom von Alpintouristen aus dem Ausland scheint manchen konservativ-klerikalen Kreisen ein Dorn im Auge gewesen zu sein Die neue Hütte wurde anfangs immer wieder Zielscheibe von Einbrüchen und Zerstörungen. Daher schloss die Sektion bei der „Riunione adriatica di sicurtà“ eine Versicherung mit einer jährlichen Prämie von 400 fl ab. Herr Boscarolli aus Meran erhielt von der Sektion den Auftrag, die Hütte zu beaufsichtigen, da er sich als Jäger oft in der Hütte aufhielt.

Das Hüttengrundbuch zählt folgende Besucherzahlen auf:

  • 1877 35
  • 1882 25
  • 1878 10
  • 1883 52
  • 1879 15
  • 1884 48
  • 1880 25
  • 1885 45
  • 1881 20
  • 1886 30

Im Jahre 1902 mussten an der Hirzerhütte verschiedene Instandhaltungsarbeiten bzw. Adaptierungen vorgenommen werden. In einem Schreiben der Sektion an den Zentralausschuss mit der Bitte um einen Beitrag werden die Arbeiten folgendermaßen begründet: „Das jetzige Dach, das bisher fast jedes Jahr nicht unbedeutende Reparaturkosten verursachte, ist nach dem Urtheile Sachverständiger von Anfang an viel zu flach angelegt und bietet weder gegen Schnee- und Regenwasser, noch auch in Folge seiner sonstigen Mangelhaftigkeit in der Konstruktion gegen unbefugte Gäste genügenden Schutz. Eine Erneuerung und damit verbunden zweckentsprechende Erhöhung und Verbesserung des Daches, die auch die Unterbringung eines wünschenswerthen Heulagers gestattet würde nach dem genauen Kostenvoranschlag des Hüttenwartes Herrn E. Boscarolli eine Summe von 800 Kronen beanspruchen.“ Der Zentralausschuss genehmigte den Beitrag. 1923 wurde dieHirzerhütte von den Faschisten enteignet und dem CAI-Meran übergeben. Auf Grund des schlechten Zustandes der Hütte verkaufte die Meraner CAI-Sektion die Hütte nach dem 2. Weltkrieg an den Tallner Bauer Josef (Josl) Kofler, dessen Nachkommen heute diese am Europäischen Fernwanderweg E5 liegende Hütte führen.
Andreas Folie

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